Rekordschmelze 2010 in Grönland

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  • (1) Rekordschmelze 2010, Quelle: NASA

    (2) Abbildung der offiziellen Wetterstationen in Grönland und Lage Kangerlussuaqs

    (3) Kalbender Equp Sermia Gletscher in Westgrönland, Bild: NASA

    (4) Klimadiagramm der Wetterstation Kangerlussuaq

    (5) Temperaturverlauf 2010 im Vergleich mit dem langjährigen Mittel

    (6) Schnee oder Regen - die Niederschlagsmengen im Vergleich (Achtung: für einen Tag kann nur die Aussage getroffen werden, ob Schnee fiel, wenn Niederschlag gefallen ist, nicht ob überhaupt Niederschlag gefallen ist)

    (7) Die Wetterlage am 18. Juni 2010, Quelle: Wetterzentrale

  • Rekordschmelze 2010 in Grönland
    04.03.2011 15:51

    Rekordschmelze 2010 in Grönland
    Die NASA veröffentlichte im Februar ein Bild der Rekordschmelze 2010 in Grönland (Abb. 1). Dieses basiert auf elektromagnetischen Messungen im Mikrowellenbereich, aufgenommen mit dem Special Sensor Microwave/Imager (SSM/I) an Bord des Wettersatelliten der US-amerikanischen Streitkräfte. Aufgrund der unterschiedlichen Reflektionseigenschaften von Schnee bzw. Eis und dem darunterliegenden Untergrund kann damit auf die Schmelze geschlossen werden. In diesem Bild wird nach einem Verfahren von Marco Tedesco am City College of New York die durchschnittliche Anzahl der Tauwettertage im Jahr 2010 mit dem Mittelwert zwischen 1979 und 2009 verglichen. Eine besonders ausgeprägte Tau- und Schmelzperiode weist der Süden und Westen Grönlands auf.

    2010 in Grönland im Rückblick
    Das ungewöhnlich warm verlaufende Jahr verdeutlicht auch die Abbildung 5 für Kangerlussuaq. Die gestrichelten Linien zeigen den jeweiligen Extremwert des Monats, in grün ist das Klimamittel 1961-90 dargestellt und der Verlauf der Maximal- und Minimaltemperatur in 2 m Höhe verdeutlichen die Linien in rot bzw. blau (als gleitendes Mittel der täglichen Werte). Bereits auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass das Jahr 2010 insbesondere im Winter sowie in den Übergangsmonaten deutlich zu warm ausfiel. Im Mai, August und November können dabei auch einzelne Tagesrekorde des Höchstwertes geknackt worden sein oder der Wert dem zumindest nahe gekommen sein. Bemerkenswert ist die Höchsttemperatur gegen Ende Januar/Anfang Februar mit Werten bis nahe 10°C heran, welche die Tausaison früh beginnen ließen. Herausragend ist auch die Temperatur von etwa Mitte Mai bis Anfang September, welche auch nachts nicht unter den Gefrierpunkt fiel.

    Schnee oder doch Regen?
    Zwar wird verbreitet von einem zu trockenem Jahr gesprochen, allerdings bestätigen das die hier aufgezeigten Daten nicht (Abb. 6). Im Graphen für Kangerlussuaq ist für Januar 2010 sogar deutlich mehr Schnee als üblich zu finden (in rot ist das Mittel dargestellt, in blau die monatliche Summe 2010 und die grünen Punkte zeigen, ob an diesem Tag Niederschlag in Form von Schnee registriert wurde). Was für eine vorhandene Schneedecke schlimmer ist als die hohe Temperatur ist Regen sowie Sturm. Vor allem der Juni und August lagen was den Niederschlag betrifft dabei deutlich über den monatlichen Normalwerten. Bemerkenswert ist auch, dass von September bis Dezember immer wieder auch Niederschlag in Form von Regen auftrat.

    Warum ist die Schneeschmelze von solcher Bedeutung?
    Wenn Schnee schmilzt, verschwinden zuerst, falls nicht ohnehin durch starken Wind bereits abgebrochen, die feinen Verästelungen der Schneekristalle (siehe hier). Der Schnee wird dadurch großkörniger. In dieser Form reflektiert dieser weniger kurzwellige Sonnenstrahlung und schmilzt noch stärker. Ist der Schnee verschwunden, bleibt das Eis, welches in noch geringerem Ausmaß die Strahlung reflektiert. Noch stärker absorbiert das darunter liegende Gestein die Strahlung, welches, einmal freigelegt, nicht nur zu einem stärkeren Tauen- und Schmelzen führt, sondern auch zu einer größeren räumlichen Ausdehnung.

    Wie geht es weiter?
    Trends für die Zukunft abzuleiten, ist allerdings alles andere als einfach. Die Massenbilanz eines Gletschers (also der Zuwachs an Schnee und Eis im Vergleich zu der Masse, die er verliert) ist zwar fast bei fast allen Gletschern Grönlands teils stark negativ, kann aber nicht auf die Witterung direkt zurückgeführt werden. Einerseits mag abfließendes Gletscherwasser zwar in der Lage sein den Gletscher zu destabilisieren und somit zu einer erhöhten Fließgeschwindigkeit führen. Andererseits kann aber auch das Gegenteil passieren, wie Wissenschaftler der Universität Leeds im Magazin “Nature” im Januar vorstellten (siehe auch hier). Bildet das Tauwasser keine "Wasserkissen" unter dem Gletscher, sondern ein Kanalsystem, kann sich die Eiszunge am felsigen Untergrund regelrecht "festsaugen". Auf dieses Ergebnis kamen bei Wissenschaftler bei der Auswertung der Radarmessungen des europäischen ERS-Satellitenprogramms.

    Bei Gletschern, die ins Meer kalben, spielt die Temperatur des Wassers sowie die Mischungsprozesse mit dem Schmelzwasser eine Rolle. Wärmeres Meerwasser führt dazu, dass sich die Aufsetzlinie ("grounding line") des Gletschers, also die Linie, ab welcher sich dieser frei vom Gletscherbett bewegt, gletscheraufwärts verlagert. Allerdings ist kaum bekannt, wie hoch die "unterseeischen" Abschmelzraten sind und wie diese den Gletscher selbst beeinflussen.

    Es besteht also noch viel Forschungsbedarf der genauen physikalischen Prozesse, vor allem unter der Gletscheroberfläche und der kalbenden Gletschern.

    Von: Alexandra Mittermeier

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