-
(1) Meereiskonzentration am 3. September 2007 und 2008 Quelle: The Cryosphere Today
(2) Fläche der Meereisausdehnung von 2007, 2008 und dem Mittel 1979-2000 Quelle: National Snow and Ice Data Center
(3) Abweichung der Meeresoberflächentemperatur im August 2007 und 2008 im Vergleich zum langjährigen Mittel Quelle: National Snow and Ice Data Center
(4) Nordostpassage
(5) Nordwestpassage
-
Meereis geht weiter zurück05.09.2008 07:54
Aktueller Zustand
Im September vergangenen Jahres, also jener Monat, zu welchem die Ausdehnung des Meereises der Arktis ihr Minimum erreicht, umfasste das Meereis nur noch 4,2 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht dem bisher niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnung. Wie bereits im August berichtet, wurde für diese Jahr ein neues Meereisminimum prognostiziert. Nach aktuellen Berichten des National Snow and Ice Data Center befindet sich die Ausdehnung des Meereises aktuell auf dem zweittiefsten Stand. Ob es aber wirklich noch zu einem absoluten Minimum kommen wird, wird sich erst in den nächsten zwei Wochen zeigen. Abbildung 1 zeigt die Eisbedeckung diesen und letzten Jahres für den 4. September im Vergleich. Abbildung 2 stellt die Fläche des arktischen Meereises mit einem Anteil von mindestens 15% der Monate Mai bis September dar. Die Linien zeigen die Ausdehnung der letzten beiden Jahre, die graue Linie dagegen das Mittel der Jahre 1979 bis 2000. Das Minimum im Monat September beträgt im Durchschnitt 7 Millionen Quadratkilometer. Im Moment liegen wir also nur 370 000 Quadratkilometer vom letzten Minimum entfernt und bereits 2,08 Millionen Quadratkilometer unter dem 30-jährigen Mittel.
Ungewöhnlich hohe Temperaturen am Eismeer
Derzeit herrschen am Eismeer ungewöhnlich hohe Temperaturen (siehe 20°C am Eismeer). Auch die Temperatur der Wasseroberfläche ist derzeit ungewöhnlich hoch, besonders vor der Küste Kanadas sowie vor Teilen Sibiriens. Abbildung 3 zeigt die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur relativ zum Mittel der Jahre 1982 bis 2006 für den August der Jahre 2008. Diese korreliert relativ gut mit dem Eisrückgang. Problematisch sind nicht direkt die hohen Temperaturen, sondern dass eisfreie Gebiete mehr solare Strahlung aufnehmen und somit die Schmelzrate weiter ansteigen lassen. Strömungen transportieren dann erneut Eisberge in diese dann eisfreien Gebiete.
Bedeutung der Passagen
Dass in den Medien so häufig die Ausdehnung und Dicke des Meereises diskutiert wird, ist nicht unbedingt erstaunlich, wenn man sich die wirtschaftliche Bedeutung der Befahrbarkeit der Seewege bewusst macht. Von besonderem Interesse sind die Nordost- und Nordwestpassage. Die Nordostpassage (siehe Abbildung 4, rote Linie) mit einer Länge von 6500 Kilometer, welche entlang der Küste Sibiriens verläuft, verkürzt die Fahrtzeit zwischen Hamburg und Japan um knapp 40 Prozent. Die längere Route durch den Suezkanal ist in blau dargestellt. Abbildung 5 zeigt die Nordwestpassage in rot und die wesentlich längere Strecke durch den Panamakanal in grün. Letztes Jahr war diese Strecke ohne größere Beeinträchtigungen durch Eisgang befahrbar, für den regelmäßigen Containerverkehr ist aber diese Passage noch zu unsicher und damit wohl noch nicht wirtschaftlich.
Von: Alexandra Mittermeier
MeteoGroup auf der E-world. Besuchen Sie uns:
MeteoGroup nach ISO 9001 zertifiziert
